Mexico Part 1 – Yucatan Roadtrip

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Mexico, besser gesagt Yucatan-Halbinsel. Zwei Wochen, ein Mietwagen, dazu Verstärkung aus Deutschland, klingt nach einem vielversprechenden Roadtrip. Jenseits der Strandpromenade von Cancún, wo für die meisten amerikanischen Pauschaltouristen Mexico endet, fängt unser Trip erst an.

Wenn auch nicht weit davon entfernt. Bevor wir ins Auto steigen, steigen wir auf der isla mujeres erstmal ins Golf Cart, das perfekte Gefährt um sich an das Lebensgefühl der kommenden Wochen zu gewöhnen, Stichwort Entschleunigung. Mit einem Margarita in der Hand im flachen Wassser zu liegen ist sicherlich auch hilfreich. Drei tiefenentspannte Tage später sind wir bereit und brechen auf, zum Abschied spielt der Unterhaltungs-Gitarrist auf der Fähre im durchgeschwitzten Polyesterhemd eine schräge Variation von „La Bamba“, es wird Zeit dass wir die Touri-Zone hinter uns lassen.

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Die nächsten zwei Wochen verbringen wir viel Zeit im Auto. Die Fahrten sind meistens recht unspektakulär, die Straßen gehen teilweise stundenlang schnurgeradeaus. Für Abwechslung sorgen die verschiedenen Herausforderungen des mexikanischen Straßenverkehrs:

Platz drei: Verkehrskontrollen. Drogen, Waffen, Bomben, die mexikanische Polizei/Armee sucht immer nach irgendwas, gern auch nach unserem Nummernschild. Aus unerfindlichen Gründen fehlt dieses Detail nämlich an unserem Mietwagen… Ansonsten laufen die Kontrollen immer nach dem Prinzip „Hunde die Bellen, beißen nicht“ ab. Die Polizisten sind bis an die Zähne bewaffnet, haben aber meist enorm gute Laune, insbesondere wenn sie hören dass wir KEINE Amerikaner sind.

Platz zwei: Schlaglöcher. Es kann passieren dass man stundenlang auf einer perfekten Autobahn geradeaus fährt und im nächsten Moment ohne jede Vorwarnung durch ein Schlaglochfeld brettert, als wäre hier kurz vorher ein Meteoridenhagel niedergegangen. Trotzdem schaffen wir es fast immer diese Minenfelder zu durchqueren. Nur einmal erwischt es uns heftig, ein Reifen verliert Luft. Langsam rollen wir bis ins nächste Dorf, irgendwo im Nirgendwo. Während wir diskutieren was zu tun ist, wird uns gleich von mehreren Leuten Hilfe angeboten. Nachdem wir pantomimisch einen Wagenheber darstellen, leitet uns eine junge Frau auf ihrem Roller zur nächsten „Werkstatt“. Innerhalb von 20 Minuten werden dort unter enormem Gehämmere zwei defekte Reifen wieder frischgemacht, das ganze kostet umgerechnet ein paar Euro, es ist Sonntagnachmittag wohlgemerkt. Unser mexikanischer Engel, der sogar eine kleine Provision ablehnt, begleitet uns anschließend sogar wieder aus dem Dorf hinaus bis wir wieder auf dem richtigen Weg sind.

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Platz eins: „Geschwindigkeitsreduzierer“ beziehungsweise „Topes“, wie der Mexikaner sagt. Die Bodenwellen, die einen zum abbremsen bringen sollen, tauchen ähnlich unangekündigt und willkürlich auf wie Schlaglöcher. Schafft man es mit einer Vollbremsung einem Achsbruch zu entgehen, wartet dahinter dann öfters auch schon die nächste Polizeikontrolle…

Unser erstes Ziel ist der nördlichste Punkt Yucatans, das Naturschutzgebiet Rio Largatos. Hier ist die Gringo-Dichte schon deutlich geringer, die Moskito-Dichte dafür umso höher. Das Biosphärenreservat ist die Heimat von Flamingos und Krokodilen plus 348 weiteren Vogel- und Säugetierarten mit geringerem Glamour-Faktor. Erstere sehen wir auf unserer Bootstour in rauhen Mengen, Krokodile lassen sich leider keine blicken. Als Ausgleich dafür gibt es einen Stop auf einer Insel mit vulkanischem Heilschlamm der wahnsinnig toll für die Haut sein soll, ein super Vorwand sich von Kopf bis Fuß mit stinkigem Matsch einzureiben und lustige Fotos zu machen.

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Lange nicht mehr mit der Polizei telefoniert…

Chrissi: Rio Largatos ist eigentlich ein Ort des Friedens und der Entspannung, hätten wir nicht soeben entdeckt, dass unsere beiden Kreditkarten nicht nur zeitgleich gesperrt sind, sondern sogar ausgetauscht werden müssen. Schon zu einem früheren Zeitpunkt wurde aus China und Amerika versucht, Geld von unseren Konten abzuheben. Beim Betrag von 400 Euro hat die „Große Deutsche Auslandsbank“ nun einen Riegel vorgeschoben. Ein absolut smarter Move, wäre die „Große Deutsche Auslandsbank“ auch nur ein bisschen in der Lage sich weltreisefreundlich zu verhalten. Die Ersatzkreditkarten können nämlich nur an die Heimatadresse in Deutschland versandt werden und die Bedingungen die 400 Euro zurückzubekommen sind enorm hochschwellig. Unter anderem wird eine Anzeige bei der Polizei gefordert, auch werden alle Unterlagen nur via Brief oder Fax (mir war nicht klar, wie wenige Hotels heutzutage noch ein Faxgerät besitzen) versendet. Zeitverschiebung, enorm schlechte Internetverbindungen und wenig kooperative Hotlinemitarbeiter treiben mich an den Rand der Verzweiflung. Ausserdem ist uns nach wie vor unklar in welchem der neun bereits bereisten Länder denn nun unsere Kreditkartendaten ausgelesen wurden, deshalb können wir den Diebstahl auch nicht in Mexico zur Anzeige bringen. Zwischen zwei Nervenzusammenbrüchen erinnere ich an meine Freunde und Helfer in Deutschland, lange nicht mit der Polizei telefoniert….Und tatsächlich erklärt sich die Pforzheimer Polizei nach Vorlage einiger Sondervollmachten bereit, die von meiner Mutter vorgetragene Anzeige aufzunehmen. Lange Rede kurzer Sinn, ich habe das Geld zurückerstattet bekommen, auch erreichen uns 2 Monate (!!!) später unsere Kreditkarten auf dem Postweg in Japan. Vielen Dank „Große Deutsche Auslandsbank“!!!


Von Rio Largatos führt uns unser Weg Richtung Süden. In Merida werden wir fast abgeschleppt (die wieder mal sehr freundliche Polizei lässt uns gerade noch rechtzeitig wecken), in Campeche von einem Unwetter überrascht das die komplette Stadt unter Wasser setzt und in Palenque feiern wir den mexikanischen Nationalfeiertag mit jeder Menge Gratis Tequila und einer Mariachi-Band. Und dazwischen kommen wir immer wieder an den Wundern der mexikanischen Halbinsel vorbei:

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Höllenlöcher und Opferpyramiden

Für zwei Dinge ist die Halbinsel Yucatan vorallem berühmt:

1. Die Cenoten, über 1000 Kalksteinlöcher und Höhlen, gefüllt mit glasklarem Frischwasser. Laut den Mayas sind sie die Tore zur Unterwelt, für uns ein willkommener Badestopp nach stundenlanger Autofahrt.

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2. Die Pyramiden der Maya. Hier unsere Top 4 der Maya-Metropolen

Platz 4: Chichen Itza. Klassiker, kennen sogar die Cancun-Amis noch. Wir sind unter den ersten die am Morgen reingehen und haben so noch die Chance auf ein Foto ohne dass einem die Sombreros der Neckermann-Gruppe die Sicht versperren. Legendär: Das Ballspielfeld der Mayas. Keiner weiß wie das Spiel funktioniert haben soll. Nur dass der Verlierer geopfert wurde. Oder der Gewinner.

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Das Runde muss ins…äh durch den Ring…oder nicht?

Platz 3: Uxmal. Auch hier steigt die Menge der Moskitos antiproportional zur Abnahme der Touristenmenge. Besteht da ein Zusammenhang? Ob die Mayas auch gestochen wurden? Viele Fragezeichen. Schöne Fotos.

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Platz 2: Palenque. Endlich Antworten: Wir haben einen Guide. Wir lernen viel über die Kultur, Flora und Fauna, bis wir auf seine Vergangenheit als Drogensüchtiger zu sprechen kommen. Dann lernen wir noch viel über Kokain. Gut das wir Fachpersonal dabeihaben.

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Platz 1: Calakmul. Eine mehrstündige Fahrt in das nächstgelegene Dorf Xpujil gefolgt von einer mehrstündigen Fahrt auf einer abenteuerlichen „Straße“ in den Dschungel gefolgt von einer Wanderung durch den Dschungel haben sich gelohnt. Eine der beeindruckensden Pyramiden des gesamten Kontinents. Außer uns sind an dem Tag noch 4 andere Personen da. Einziger Wehmutstropfen: Kein Jaguar lässt sich blicken, auch wenn man ihn schon riechen kann. Dafür Rehe und Truthähne, die kurzzeitig für Jaguare gehalten werden. Welche Farbe hat so ein Jaguar eigentlich?

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Ohne Wertung: Tulum. Als letztes gesehen, daher wahrscheinlich schon etwas übersättigt gewesen. Vielleicht lag es auch an den 45 Grad bei denen wir uns durch die Ruinen geschleppt haben. Das einzige was in Erinnerung blieb ist dieses Bild:

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Von Xpujil geht es wieder Richtung Ostküste. Unser nächstes Ziel heißt Bacalar, die Lagune der sieben Farben. Nach vielem Autofahren und viel Kultur der perfekte Ort um sich zu erholen. Wir pendeln zwei Tage zwischen Wasser und Bar und genießen den einmaligen Ausblick.

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Zum Abschluss geht es nach Tulum, das große Finale unseres Roadtrips und nochmal eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Begeisterung über unsere noble Herberge direkt am Meer. Ernüchterung über die Seegrasberge die sich am Strand türmen und einen etwas fauligen Geruch absondern. Tiefe Freude bei dem Anblick unzähliger Schildkröten und Rochen beim Schnorcheln. Wut und Enttäuschung als 60 Euro vom Personal aus dem Zimmer der noblen Herberge entwendet werden (Chrissi). Faszination und Staunen beim Schnorcheln in den Cenoten. Mehr Wut und Frustration bei tagelangen Debatten mit dem französischen Manager der noblen Herberge bezüglich des Diebstahls. Purer Genuß bei frischen Fisch-Tacos und einem ausgezeichneten Steak zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit zu viert. Demut und Euphorie beim Tauchen in den Cenoten (Michi). Traurigkeit über den Abschied unserer Freunde. Überraschung und Jubel über die Rückerstattung von 60 Euro vom französischen Manager. Freude und Aufregung über den Beginn eines neuen Kapitels.

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Hinkommen

Isla Mujeres: Wenn man vom Flughafen in Cancun kommt, unbedingt die Tourizone meiden und die billigere Fähre vom Hafen Puerto Juarez nehmen. Mit dem ADO Bus vom Flughafen direkt zur ADO Busstation Downtown Cancun. Vom dort ist es eine kurze Taxifahrt zum Hafen. Die Fähre Maritima Magama fährt zw. 6:30 Uhr und 20:30 Uhr alle halbe Stunde und braucht 15 Minuten. Kosten: one way 5.50 US Dollar.

Rumkommen

Mexico verfügt über die komfortablen und zuverlässigen ADO Busse, mit denen man alle wichtigen Touristenattraktionen erreichen kann. Kann man die Fahrten bereits ein paar Tage im Voraus planen, gibt es online teilweise gute Discountpreise, siehe hier (auf Spanisch, Sprache lernen oder google fragen;).

Um mehr vom Land zu sehen, empfiehlt sich aber gerade auch auf der Yucatanhalbinsel ein Mietwagen. Über den ADAC gibt es in Deutschland immer wieder gute Angebote. Auf der Isla Mujeres fahren Autos und Taxis, man kann sich aber ein Golfkart mieten und damit die Insel erkunden—hoher Spassfaktor!!!

Unser Roadtrip

14 Tage, ca. 1900km, der ultimative Roadtripp mit allen Highlights der Region, so wie wir ihn gemacht haben:

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To do

Bootstour am immer noch sehr ursprünglichen Rio Lagartos. Die Guides warten bereits am Ortseingang, um das typische Tourpaket mit Flamingos, Schlammbad und Vogelbeobachtung zu verkaufen. Pro Boot sollte es nicht mehr als 1000 Pesos kosten. Vorsicht: Im Ort gibt es keinen ATM! Genügend Cash mitbringen!

Calakmul, im Süden der Yucatanhalbinsel ist ein echter Geheimtip wenn es um Mayaruinen geht und ohne eigenes Auto nicht zu erreichen. Von Xpujil sind es 2 Stunden Fahrtzeit, 1 Stunde über eine Art Dirtroad. Dafür hat man eine der grössten Mayastätten für sich. Eintritt: 168 Pesos.

Schwimmen mit Schildkröten und Rochen am Strand von Akumal. Wenn man den Strand betritt, wird einem vermittelt, man könnte nur mit einem Touranbieter schnorcheln gehen. Das stimmt nicht!!! Wer eigene eine eigene Schnorchelausrüstung dabei hat kann einfach an der abgesperrten Zone rechts an den öffentlichen Strand laufen und dort völlig kostenfrei schnorcheln gehen.

Unterkommen

„Magic Bacalar“, das Guesthouse liegt direkt an der Lagune und serviert für 26 Euro die Nacht sogar ein kleines Frühstück. Ausserdem werden Katamaranfahrten angeboten.

Essen

„La Playita“ in Bacalar. Mittlere Preisklasse, aber ebenfalls direkt an der Lagune gelegen und aussergewöhnlich leckeres Essen und Cocktails! Unbedingt den Sangria probieren!

TIPP

In der Touristenzone um Cancun und in Tulum immer in Peso bezahlen. Die Dollarpreise sind meist überteuert und dazu da urlaubende Amis abzuzocken.

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