Colca Canyon – Wie ich den Kondor suchte und einen Esel fand…

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Von Lima aus reisen wir weiter nach Arequipa. Der richtige Bus ist schnell gefunden, man folgt an der Busstation einfach den Schreien des Ticketverkäufers: Arequiparequiparequiparequipaaaaa…

Es gibt drei Gründe weswegen die Stadt im Süden Perus bereist wird:

– Die historische Altstadt (Weltkulturerbe, *uuuuuuh*) mit ihren spanischen Kolonialbauten und zahlreichen Klöstern. Leider auch sehr touristisch (auf ein Kloster kommen zwei Hostels, drei Tour-Agencies und ein veganes Cafe) aber trotzdem sehr schön anzuschauen.

– El Misti! Sowie seine zwei Buddies Chachani und Pichu Pichu. Drei mehr oder weniger aktive Vulkane (letzter Ausbruch: 1784), zwischen 5600 und 6000m hoch und für Bergtouren sehr beliebt. Der Anblick von unten ist auch ganz nett.

– Aber vor allem: Der Colca Canyon. Heimat des Andenkondors, Wappentier Perus und größter Vogels der Welt. Mit bis zu 3 Meter Spannweite gleiten sie majestätisch die steilen Hänge der atemberaubenden Schlucht entlang, lassen sich von der Thermik in immer größere Höhen tragen und lautlos wieder in die Schlucht fallen…so oder so ähnlich hat die Agentur den 2-Tages-Trip „Colca Canyon“ angepriesen. Vielleicht hat sie auch nur Kondore gesagt und der Rest war unsere Fantasie. Ziemlich sicher hat sie irgendwas gesagt wie „18km hiking blablabla, Höhenmeter blablabla“. Jaja schon klar, also wie war das nochmal mit den Kondoren???

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Plaza de Armas, Arequipa

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El Misti!

So stehen wir also morgens um 3 Uhr im Hof unseres Hostels und freuen uns auf ein Tête-à-Tête mit „biggest bird alive“. Wir sind in einer internationalen Gruppe unterwegs bei der alle schnell miteinander ins Gespräch kommen. Die Stimmung ist euphorisch, alle freuen sich auf die Kondore, was kann da noch schief gehen. Nach einem kurzen Frühstück werden wir zu dem Aussichtspunkt „Condors Cross“ gekarrt.  Es ist kalt, es windet und ausser uns sind noch ca. 25 andere Minibusse vor Ort. Ok, das heisst survival of the fittest, Ellenbogen raus und schön vordrängeln, wir haben schliesslich eine Mission…und nur 30 Minuten Aufenthalt. Michi klettert auf einen Fels und wird sogleich vom Sicherheitspersonal ermahnt. Aber dann, da sind sie, die Kondore!!! Wir halten den Atem an…und kneifen die Augen zusammen. Da sind in der Ferne Vögel, doch sind das wirklich Kondore??? Bestimmt, schliesslich sind wir am „Condors Cross“ und alle machen Bilder. Es MÜSSEN also Kondore sein, nur leider kann das aus dieser Entfernung keiner so genau sagen. Verdammt, in unserer Fantasie war mal wieder alles viel besser… Trotzdem ist die „Mission Kondor“ mehr oder weniger erfüllt, aber halt, jetzt beginnt der eigentliche Trip!

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The Squad (vo li na re: Brasilien, USA, Deutschland, UK, USA, Frankreich, Irland, Belgien, UK, Israel)

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El condor pasa…nicht.

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Suchbild

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zoomed!

Wir laufen zunächst drei Stunden in den Colca Canyon hinab. In der Talsohle sehen wir eine Oase, unser Ziel für die Nacht und einzig und allein für dumme Touristen wie uns gebaut. Der Swimmingpool glänzt verheißungsvoll in der Mittagshitze, aus der Ferne hat das wirklich was von Fata Morgana. Leider ist es mit dem Abstieg noch nicht getan. Wir wandern noch vier weitere Stunden durch die Schlucht und erreichen um 17 Uhr endlich unsere Schlafstätte. In unserem Fall handelt es sich um eine Hütte ohne Elektrizität, bei der sich nicht mal die Tür schließen lässt. Aus der Ferne sah es irgendwie schöner aus… Um diese Uhrzeit gibt es in der Schlucht auch keine Sonne mehr und es wird bitterkalt. Michi springt trotzdem in den Pool. Ich habe hämmernde Kopfschmerzen und leg mich erstmal ab. Nach einer nur 3-stündigen Nacht war heute einfach alles zu viel. Zuviel Hitze, zuviel Anstrengung, zu viel Höhe (wir sind von 3000 auf 2000 Höhenmeter abgestiegen). Und schätzungsweise zu wenig Wasser. Selbst das überteuerte Powerade hat nichts geholfen. Und die Vorstellung morgen um 5 Uhr ungefrühstückt drei Stunden + 1000 Höhenmeter die Schlucht am Steilhang wieder hochzulaufen verbessert die Laune nicht wirklich. Als ich beim Abendessen erfahre dass es die Option gibt einen Esel zu mieten der einen den Berg hoch trägt muss ich nicht lange nachdenken. Mein Stolz zeigt mir den Stinkefinger und trollt sich in eine Ecke. In mir macht sich pure Erleichterung breit und so verbringen wir noch einen lustigen Abend in der Oasen-Bar mit einem englischen Pärchen, bei dem Sie sich als Donkey-Girl-Leidensgenossin rausstellt und wir gemeinsam auf unsere Esel anstoßen.

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denn sie wissen nicht was sie tun…

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noch 17,5km…

Ich wollte auf der Reise sowieso mal reiten, dass es nun auf einem Esel sein würde hätte ich nicht gedacht, aber ich genieße meinen Ritt sehr. Leider habe ich das motivierteste Maultier von Allen erwischt und führe die Karawane an. Ab einem bestimmten Zeitpunkt reite ich an all den fertigen Gestalten vorbei die eine Stunde früher aufgestanden sind und sich seitdem den Berg hochquälen. Nur mein lieber Freund wartet schon am Gipfel auf mich. Er hat den Aufstieg in krassen zwei Stunden bewältigt und ist extrem erleichtert dass ihm eine entspannte Freundin auf einem Esel entgegen reitet und er nicht stundenlang Motivationsarbeit leisten musste, um mich den Berg hoch zu bekommen. Müde aber glücklich steigt unsere Colca Canyon Squad in den Bus zurück nach Arequipa. Auf dem Heimweg zeigt sich die Colca Schlucht bei zahlreichen Touri-Foto-Stopps nochmal von Ihrer besten Seite. Kondore wurden allerdings keine gesehen…

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Donkey-Girls

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who’s cuter?

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Patapampa Pass (5000m)

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